Transsibirien 2003: Nach meinem Abitur brach ich mit einem Rucksack voll Papier, fünf Zigarren und zwei Litern Spezi im Gepäck, Richtung Osten auf. Mehr als zehntausend Kilometer, über Moskaus Roten Platz quer durch Sibirien, nach Peking zum Platz des himmlischen Friedens. Ich hatte alles getan, was man tun musste, um ein neuer Mensch zu werden: Ich hatte die Schule hinter mich gebracht, war von meiner Freundin verlassen worden und hatte ein politisches Manifest verfasst. Kindheit und Heimat hinter, Freiheit und Welt vor mir: Alles war bereit für eine neue Zeitrechnung. Sie musste kommen. Musste. Im leuchtenden Orange der Taiga, in der Einsamkeit des Transsib-Abteils, in der sich stetig  verschiebenden Zeit veränderte sich die Welt. Langsam, 70 Kilometer pro Stunde. Oder war ich es, der sich veränderte? Aufbruch und Aufarbeitung: Nie wieder hat sich Älterwerden so intensiv angefühlt, wie in den Tagen zwischen Ural und Baikalsee, mit Tee aus dem Samowar, Herzschmerz, Britpop im Ohr und zu vielen Ideen im Kopf. Eine wahre Geschichte. Ein Road Movie.
„Trans Bavaria“ ist eine Hommage an dieses Gefühl, aber auch eine melancholische Suche nach einer verschwindenden Welt von Gestern, nach Romantik und Träumen im postideologischen Zeitalter. Ein Russland in den Farben von Andrei Tarkovskys Polaroids, aber auch eine unerwartete Liebeserklärung an die unheimliche Heimat, mit der niemand gerechnet hatte: Weder ich, noch die Heimat. Und über allem die eine Frage: Kann ich anders sein, ohne alleine sein zu müssen?

(Konstantin Ferstl)